Hintergrund

Die Nahrung hat der französische Soziologe Marcel Mauss (1872–1950) in einer sehr glücklichen Formulierung als ein „soziales Totalphänomen“ bezeichnet, weil sie bis zur Unkenntlichkeit mit der Gesellschaft verwoben sei. (Essai sur le don. Forme et raison de l`echange dans les societes archaiques. In: L`Annee Sociologique 1923/24) “Alle Faktoren deuten daraufhin, dass sich die gegenwärtige Esskultur in einer Phase tief greifenden Wandels befindet“, beschreibt der Volkskundler G. Hirschfelder die Situation in seinem Buch „Europäische Esskultur“. Weiter: „Wandel schafft Neues, aber auch Unsicherheit“.

Im Umgang mit Speisen und Ernährung zeigen sich viele kulturelle Eigenschaften und Verhaltensmuster auf: Von der agrarischen und industriellen Herstellung von Lebensmitteln bis zu landesspezifischen Zubereitungsarten und Rezepten, aber auch in der Gestaltung von Esswerkzeugen und Essgeschirr drücken sich kulturelle Spielarten aus, die sich letztlich durch gesellschaftliche Rituale und Formen der Nahrungsaufnahme im Begriff der Esskultur zusammenfinden.

In der näheren Beschäftigung mit den Komponenten dieser Kultur erkennen wir, dass es sich hier um einen dichten Komplex diverser Anteile handelt, an denen z.B. Tradition, Wissenschaft, Lebensmittelherstellung, Ökologie, Ökonomie, Werbung und das Design beteiligt sind, die Kauf- und Essverhalten von Menschen beeinflussen.

Zwischen Bedürfnis (Hunger) und Befriedigung (Essen und Trinken), setzt der Mensch auf das ganze kulturelle System der Küche (U. Tolksdorf, 1938-1992, „Nahrungsforschung“, In: Brednich, Rolf W. (Hrsg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie, Berlin, 2. Auflage, 1994)

Nie gab es so viele Kochsendungen, nie so viel Interesse an Speisen und Genuss. Gemeinsames Kochen und Speisen macht Spaß und fördert die Kommunikation. All diese Erscheinungen und insbesondere die Eltern sind wichtige Vorbilder beim Erlernen von Verhaltensweisen im Umgang mit gesunden und natürlichen Lebensmitteln, ihren Zubereitungsweisen und den kulturellen Speiseritualen. „Warum schmeckt ungesundes Essen so gut?“ fragte die Apotheken-Umschau. Mit Recht, denn in der Zusammenstellung von Frühstücksmahlzeiten, Mittags- oder Abendessen ist bei Jugendlichen häufig das Missverhältnis von Wissen und Handeln erkennbar: Fastfood und Schokoriegel werden bevorzugt.

Jugendliches Essverhalten grenzt sich von dem anderer Altersgruppen ab. Das ist ein historisches Novum. Denn erst im Zusammenspiel mit den Freiheiten, die Kindern und Jugendlichen gewährt werden, konnte sich eine altersbedingt eigene Esskultur entwickeln.

Immer mehr Kinder sind zu dick. Verantwortlich ist neben Bewegungsmangel vor allem die Ernährung. Bei vielen gilt: Was sie nicht kennen, essen sie nicht. Vier von zehn mögen nach Aussage ihrer Eltern am liebsten Pizza, Burger oder Pommes und mehr als jedes dritte Kind verzieht bei Gemüse das Gesicht. Das zeigte eine Forsa-Umfrage. Eltern sollten ihren Kindern zeigen, dass gesundes Essen auch etwas mit Genuss zu tun hat und es nicht nur darum geht, satt zu werden.

Das Wissen um diese Faktoren und ihre Produkte definieren letztlich die Gesamtkultur des Speisens. Denn Essen ist mehr als nur bloße Nahrungsaufnahme: Es soll gesund sein, gut und natürlich schmecken, Spaß machen und schön aussehen, denn das Auge isst auch mit. Daher ist es besonders wichtig, Kindern und Jugendlichen sowie insbesondere auch den Eltern und der Gesellschaft, Kenntnis und Bewusstsein über den großen Stellenwert von gesunder Ernährung zu vermitteln. Dazu will der Kunstwettbewerb „Essen in Hessen“ einen Beitrag leisten.

Zurück zu „Wettbewerbsabsicht“